Sendenhorst

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Sendenhorst: historisch – familienkundliche Entwicklung im lokalen und regionalen Zusammenhang, Land und Leute, Siedlung, Sprache, Kirche, Bibliografie, Archive, Quellen, Hinweise...

Hierarchie: Regional > Bundesrepublik Deutschland > Nordrhein-Westfalen > Westfalenprovp-wap.jpg - Portal:Westfalen-Lippe > Regierungsbezirk Münster > Kreis Warendorf > Sendenhorst

Datei:Lok Sendenhorst Kreis-Warendorf.jpg
Lokalisierung der Sendenhorst innerhalb des Kreises Warendorf

Früherwähnung

Name

„Seondonhurst" ca. 900; „Sendinhurst" ca. 1050; „Sindenhurst" ca. 1150;

Grundherrschaft

  • ca. 900 hatte Kloster Werden hier Besitz.
  • ca. 1050 hatte Kloster Freckenhorst hier Besitz.
  • 1175 bestätigte Graf Heinrich v. Arnsberg seinem Ministerialen Gottfried v. Perreclo Schenkung eines Hauses in Sendenhorst an das Kloster Liesborn.

Kirchengründung

Vermutlich wurde die Pfarre Sendenhorst vom Bischof um die Mitte des 12. Jahrh. gegründet. Die „parrochia Sendenhorst" ist 1230 bezeugt und zum größten Teil der Pfarre Albersloh entnommen.

  • Patron der 1855-1865 neu gebauten Pfarrkirche ist der hl. Martin.
    • Quelle: Börsting, H.: Geschichte des Bistums Münster (1951)

Familienname

„Herimannus de Sendenhorst" 1139;

Landschaftslage

Sendenhorst liegt etwa 60-65 m hoch in der flachen, von Äckern, Wiesen und einzelnen Gehöften bedeckten Landschaft des Kern-münsterlandes = Dreingau.

Ortsursprung

Villa (Dorf) Sendenhorst 1175. Name der Bauerschaft Sendenhorst und Errichtung der ersten Kirche durch den hier liegenden Hauptstuhl der Freigrafschaft Sendenhorst veranlaßt.

Stadtgründung

Stadtrecht

Stadtgründung wohl durch den münsterschen Fürstbischof Bischof Ludwig II. von Hessen (1310-57) wegen der Kriege mit dem Grafen Engelbert von der Mark. Erste urkundliche Erwähnung: 11.8.1315 (siehe Heinrich Petzmeyer - Sendenhorst - Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland (1992) 1323 oppidum genannt, Wigboldsrechte. 1490 bestätigte Fürstbischof Heinrich III. von Münster die Rechte des „Städekens" Sendenhorst; ebenso die späteren Bischöfe. Verleihung der Städteordnung 1856.

Gerichtssitz

Sitz des Gogerichts.

Stadtsiedlung

Bauliche Entwicklung

Nach der Zerstörung 1323 durch den Grafen von der Mark (Hamm) wurde die Stadt um den rechteckigen Markt, auf dem die Kirche steht, neu aufgebaut. Mit zwei sich rechtwinklig kreuzenden Hauptstraßen / Die Nord- und Südstraße sind schon bei Anlage der Siedlung leicht "versetzt" angelegt worden. Dadurch wurden 4 Stadtviertel gebildet, ein Ringwall in Form eines Wappens, umschlossen von 2 Gräben und einer Wallmauer (Doppelgräfte mit Wall), mit Torhäusern an den 4 Toren sowie einem bischöflichen Burghaus (dem späteren Stadtteil Drostenhof). Reste der alten Befestigung auf dem jüdischen Friedhof 1954 erhalten. Die Wälle wurden 1772, Reste des Grabens 1905 eingeebnet. Nach dem Brand von 1806 wurde die Stadt neu aufgebaut mit breiteren Straßen, der Grundriss wurde jedoch beibehalten. Die Häuserreihe südlich der Kirche wurde nicht wieder aufgebaut (heute Kirchplatz). Ab Mitte des 19. Jhdt. Besiedlung jenseits der ehemaligen Wälle. Neue Baugebiete des 20. Jhdt:

  • Martiniring (nach 1945)
  • Böckingwiese (nach 1945)
  • Bült (1960er &70er)
  • Hagenholt (nach 1975)
  • Garrath (nach 1977)
  • Westglindkamp (nach 1990)
  • Echterbrock (nach 1990)
  • Neu-Garrath (nach 2005)

Gebäude

Pfarre zuerst 1230 genannt; Kirche St. Martin, romanischer Turm abgebrannt 1529 und 1806 ausgebrannt, aber erhalten geblieben, Abbruch der Kirche und Turm 1854, Neubau 1865. Rathaus abgebrannt 1806, Neubau 1911. Leprosenhaus vor der Westerpforte genannt 1661 und 1772. Burghaus innerhalb der Stadt durch den Bischof 1323 erbaut, Sitz des Gogerichts.

Brände

Große Brände, die jedesmal mehr als die Hälfte der Stadt vernichteten: 1323, 1529, 1639 (1650, 1666), 1749 (1764, 1769, 1799), 1806.

Bevölkerung

Ältere Einwohnerzahlen

Um 1500: 507 schatzungspflichtige Einwohner, um 1750: 260 Häuser.

Seuchen

Pest 1606, 1636.

Bevölkerungsverzeichnisse

Bürgerechtsquelle-Bürgerbuch

  • Sendenhorst, 1959 Kreis Beckum (11.08.1315 als oppidum genannt), Stadtbuch (Ratsprotokoll) 1795-1805 mit protokollartigen Niederschriften der Bürgeraufnahmen (Archiv der Amtsverwaltung Sendenhorst). — Ältere Bürgerrechtsquellen sind verlustig.

Abschriften der Mormonen

Staats- und Personenstandsarchiv Detmold

  • 1810-1813 (Zivilstandsregister) Geburten, Aufgebote, Heiraten, Tote
  • 1815-1874 (Stadt u. Kirchspiel, rk.) Geburten, Heiraten, Tote
  • 1808-1819, 1943 (rk.) Geburten, Heiraten, Tote
  • 1833-1846 (Bürgermeisterei, Juden) Geburten, Heiraten, Tote

Jüngere Einwohnerzahlen

1806: 1.300 Einwohner (E.) und 280 Häuser, 1818: 1.379 E., 1826: 1.472 E., 1843: 1.589 E., 1858: 1.809 E., 1871: 1.868 E., 1885: 1.900 E., 1895: 1.928 E., 1905: 1.913 E., 1910: 2.048 E., 1918: 2.073 E., 1933: 2.460 E., 1939: 2.681 E., 1946: 3.891 E., 1950: 3.917 Einwohner.

Sendenhorster Geschichten

Sprache

Die niederdeutschen Mundart von Sendenhorst ist im Münsterland einzuordnen, das sin '(ich) bin', bauen 'bauen', jü 'euch' spricht. Sprachspott über das Ascheberger Ook 'auch', Dook 'Tuch', Broot 'Brot', wo Sendenhorst auk, Braut sagt.

Wirtschaft

Handel und Gewerbe

Stand 1954: Ackerbau und Viehzucht waren immer die wesentlichen Erwerbszweige der Bürger, Leineweber seit dem späten Mittelalter, 1804: 64 selbständige Weber. Ferner Brennereien, 1954 älteste seit 1767 (H. Brüning), 1804: 4 Brennereien und 3 Brauereien; 1930: 13 Brennereien, 1950: 10 Brennereien. Mühlenbetrieb 1885. Herstellung von landwirtschaftlichen Maschinen (1898/1935), Röhren- und Blechwaren, emaillierten und verzinkten Haushaltswaren; Kalksandsteinwerk (1910), Sandgrube; Sauerstoffwerk (1923); ferner Rohnessel- und Textilwerk.

Maße und Gewichte

Sendenhorster Maß:

  • 1840 Geltungsgebiet: Stadt und Kirchspiel Sendenhorst.
    • Benennung: Stadt Sendenhorster Malt gleich 12 Scheffel, 1 Scheffel gleich 4 Spind, 1 Spind gleich 3 Becher.
      • Die Untersuchung wurde bewerkstelligt an einem wohlerhaltenen Scheffelexemplar.
        • Die Untersuchung hat für die Größe des Ortsmaßes ergeben in preußischen Kubikzoll 1.457,312 oder abgerundet 1.457 Kubikzoll. Ein Kubikzoll zu 17,89 ml gerechnet entspricht der Scheffel heute 26,07 Liter.
    • Siehe auch: Fürstbistum Münster/Maße und Einheiten

Verkehr

Stand 1954: Sendenhorst liegt an der Privatbahn Lippstadt- Sendenhorst Münster der Westfälischen Landeseisenbahn (1903). Straßen nach Beckum und Münster, ferner Nebenstraßen in das Streusiedlungs- und Einzelhofumland.

Verwaltung

Rat, Bürgerschaft

Im Mittelalter Rat und 2 Bürgermeister (16. Jh.), im 18. Jhdt. 2 Bürgermeister, um 1800 unter Bürgermeister, in der französischen Zeit von einem Maire verwaltet. Im 19. Jhdt. waren Stadt und Ksp. Sendenhorst vereinigt, verwaltet nach Bürgermeistereiverfassung. 1856 wurde Sendenhorst Stadt nach der Städteordnung, das Kirchspiel kam zum Amt Vorhelm.

Gericht

Außer dem mittelalterlichen Freistuhl, der 1367 durch Kauf an den Bischof von Münster überging, war in Sendenhorst ein Gogericht. Bis Anfang 19. Jhdts. bestand ein selbständiges Stadtgericht.

Landesherrschaft

Landesherren

Sendenhorst lag im Amt Wolbeck (historisch) des Fürstbistums Münster. Es besaß nie Landtagsfähigkeit.

Zeitzeichen 1895

  • Sendenhorst, Stadt, Stadtgemeinde in Deutschland, Königreich Preussen, Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Münster, Kreis Beckum,
    • Zuständigkeit/Einrichtungen: Amtsgericht Ahlen, Standesamt Sendenhorst, ev. Kspl Ahlen, kath. Kspl Sendenhorst, Postbezirk, Telegrafenstation, Krankenhaus, Schule
    • Gesamtfläche: 389,3 ha, (1895) 1 Wohnplatz, 325 Gebäude
    • Einwohner: 1.928 (11 Ev., 1905 Kath., 12 Jud.)
    • Gewerbe: Weberei (Leinen, Plüsch), Schuhmacherei (Holzschuhe).
  • Sendenhorst, Pfarrdorf, Landgemeinde, Amtsgericht Werne, Standesamt Vorhelm, Amt Vorhelm
    • Zuständigkeit/Einrichtungen: ev. Kspl Ahlen, kath. Kspl Sendenhorst,
    • Gesamtfläche: 4808,6 ha, (1895) 7 Wohnplätze, 114 Gebäude
    • Einwohner: 882 (14 Ev., 868 Kath.).

Kriegerische Ereignisse

1535 in Sendenhorst Gefecht zwischen bischöflichen Truppen und den vom Belagerungsheer vor Münster (Wiedertäufer!) desertierten sächsischen Truppen. Sendenhorst besetzt und teilweise geplündert: 1598 (Spanier), 1622, 1623, 1637.

Siegel, Wappen, Fahne

Wappen-Sendenhorst.jpg Beschreibung:

Wappen: In Gelb auf rotem Roß der rot gerüstete heilige Martin mit nebenhergehendem Bettler.(Veröffentlicht im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster Nr. 37/1979).

Siegel: Seit 1489 ist der hl. Martin im Siegel der Stadt bekannt.

Wappen-sendenhorst1909.jpg Beschreibung:

Wappen, früher: Das Stadtwappen zeigt in Silber auf rotem Boden den hl. Martin zu Pferde, den Mantel mit dem Bettler teilend, alle Figuren ganz rot. Am 25.06.1910 durch Kaiser Wilhelm II. bestätigt.

Farben : 1909 festgesetzt

Finanzwesen

Steuern

Sendenhorst im 18. Jhdt. von der Akzise befreit.

Stadtgebiet

  • 1852 Ksp. Sendenhorst zum Amt Vorhelm.
  • Gebiet der Stadt im 19. Jhdt. 120 Morgen. 1858 und 1946: 389 ha, 1951: 390 ha.
  • 1929 wurde die Eingemeindung des angrenzenden Gebiets abgelehnt.
  • 1955 Amt Sendenhorst mit den Gemeinde Stadt und Kirchspiel Sendenhorst.
  • 1968 Stadt Sendenhorst.
  • 1975 kommunale Neugliederung: 1975 Stadt Sendenhorst mit dem Ortsteil Albersloh

Kirchenwesen

Bistümer ab Mittelalter

Bistum Münster, Archidiakonat des Propstes von St. Ludgeri zu Münster, 1954 Dekanat Ahlen. Der Bischof von Münster gründete wohl die Pfarre (12. Jhdt.) und übte immer in ihr das Besetzungsrecht aus.

Reformation

In die Wiedertäuferunruhen wurde Sendenhorst 1534 hineingezogen.

Bekenntnisse

1871: 9 Ev., 1895: 11 Ev., 1925: 114 Ev., 1946: 393 Ev., 89 % Kath.

Juden

Alte Synagoge und jüdischer Friedhof. Anfang 19. Jhdts.: über 12 Familien. 1826: 57 Juden, nach 1830: 71 Juden, um 1840: 6 Familien, 1895: 12 Juden. Seit Anfang 20. Jhdts. keine Juden mehr.

Wohlfahrtspflege

Stand 1954: Kleines Leprosenhaus genannt 1661 und 1772. Spital erwähnt 1772. St.-Josefs-Stift für Tuberkulose 1899. Kanalisation 1947. Wasserleitung mit 40 m hohem Wasserturm 1950.

Bildungswesen

Schulen

Stand 1954: Im Jahre 1816 zwei Schulen vorhanden. 1 Volksschule bis 1950, 2. Volksschule 1950. Rektoratschule bis 1940. Gewerbliche und landwirtschaftliche Kreisberufsschule. Näh- und Strickschule 1792 erwähnt.

Archiv

Bibliografie

  • Bau- u. Kunstdenkmäler des Kreises Beckum (1897).
  • Büld, H.: Volk und Sprache im nördl. Westfalen (1939).
  • Kleinhans und Fascies, Zeitungsartikel.
  • Werland, P.: Gesch. der Stadt Sendenhorst, Festschrift (1910).

Bibliografie-Suche

Geschichte

Bilder, Fotos und historische Karten

Weblinks

Offizielle Webseiten

Genealogische Webseiten

Historische Webseiten

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